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Peter Gasser aus Lungern trägt mehrere Hüte. Seinen Lebensunterhalt verdient er in einer Autogarage und als professioneller Wanderleiter. Nebenbei leistet er in verschiedenen Bereichen viele Stunden Freiwilligenarbeit.

Ursprünglich lernte der Obwaldner Bauernsohn den Beruf des Automechanikers. Ihn faszinierten die Technik, Motoren und das Handwerk. Noch heute arbeitet Gasser in einer Autogarage, doch inzwischen ist er nur noch selten in der Werkstatt anzutreffen. «Seit einigen Jahren bin ich für die Arbeitsvorbereitung verantwortlich und bilde dabei das Bindeglied zwischen unseren Kunden und den Mechanikern», erklärt Gasser und fügt an: «Meine 60-Prozent-Anstellung in der Garage ist für mich das Basiseinkommen».

Liebe zur Natur
Schon als Kind spürte Gasser auch einen starken Drang zur Natur. Er verbrachte viel Zeit im Wald, auf den Alpen und in den Bergen und beobachtete seine Umwelt sehr genau. «Mir macht es nichts aus, auch einmal bei Wind und Wetter im Freien zu sein. Und manchmal tut es gut, zu spüren, dass die Natur stärker ist als wir Menschen», sinniert Gasser.

Weil er noch mehr über Tiere und Pflanzen erfahren wollte, absolvierte er zwischen 2011 und 2012 die Jagdausbildung. Dabei eignete er sich ein vertieftes Wissen über die einheimische Fauna und Flora an.

Der entscheidende Hinweis des Wildhüters
Ein Wildhüter gab ihm den Tipp, die zweijährige Ausbildung zum professionellen Wanderleiter zu absolvieren und sich so ein zweites berufliches Standbein aufzubauen. Tatsächlich meldete sich der junge Jäger schon bald für die Ausbildung an.

«Ich würde diese Ausbildung beim Schweizerischen Bergführerverband sofort wieder machen», sagt Gasser rückblickend und ergänzt: «Natürlich waren meine Kenntnisse der einheimischen Fauna und Flora nützlich. Aber in den Bereichen Geologie, Meteorologie, Medizin, Routenplanung oder im Vermitteln von Informationen habe ich vieles gelernt, was ich heute bei meinen geführten Wanderungen anwende.»

Lieber zur Tierberglihütte als um den Lungerersee
In einer Frühlingswiese zwischen leuchtenden Enzianen zeigt Gasser in Richtung Berner Oberländer Berge und sagt: «Einige meiner Lieblingstouren führen über blauweiss markierte Wege und durch schwieriges Gelände.»

Nach dem Erwerb des eidgenössischen Fachausweises absolvierte er deshalb zusätzlich die T4-Zusatzausbildung, die ihn berechtigt, Gäste auch auf alpinen Touren zu führen. «Mit Gruppen einfach um den Lungerersee zu wandern, wäre mir definitiv zu langweilig», meint er schmunzelnd.

Retter in verschiedenen Notsituationen
Dass der vielseitige und zupackende Mann auch bei der Feuerwehr aktiv ist, überrascht kaum. Zudem gehört er zu den lokalen First Respondern Plus – freiwilligen Helfern, die oft schon vor den Sanitätern vor Ort sind und erste Hilfe leisten.

Gasser ist der Typ Mensch, den man in einer lebensbedrohenden Situation gerne an seiner Seite hat. Kein Wunder, dass er jeweils zu Weihnachten Dankeskarten von einer Person erhält, der er das Leben gerettet hat.

Auch Tiere profitieren von seinem Engagement. Zusammen mit Kolleginnen und Kollegen aus der Jagdgesellschaft rettet er im Frühjahr Rehkitze vor Mähmaschinen. Mithilfe von Drohnen mit Wärmebildkamera werden die Tiere frühmorgens aufgespürt und geschützt, damit die Bauern beim Mähen vorsichtig sein können.

Sein erster Vogel-Bodycheck
Kürzlich bat ihn eine Frau um Hilfe, die einen benommenen Turmfalken gefunden hatte. Der Vogel lebte noch, war aber flugunfähig. Auf Nachfrage erklärte der Wildhüter, dass Gasser den Falken erlösen müsse, falls er verletzt sei.

«So machte ich zum ersten Mal statt bei einem Menschen bei einem Vogel einen Bodycheck», erzählt Gasser lachend. Zum Glück stellte sich heraus, dass der Falke unverletzt war. Nach einigen Stunden Ruhe im Dunkeln einer Schachtel konnte er wieder in die Freiheit entlassen werden – beobachtet von einer staunenden Kinderschar.

Berghaus aus dem Dornröschenschlaf geweckt
Zusammen mit einer Gruppe Einheimischer gründete Gasser vor einigen Jahren eine Genossenschaft mit dem Ziel, dem Berghaus im ehemaligen Skigebiet Lungern–Schönbüel neues Leben einzuhauchen.

Mit viel Freiwilligenarbeit und grossem Engagement gelang es tatsächlich, das Gebäude wiederzubeleben. Heute wird das Berghaus wieder rege genutzt, unter anderem dank eines Schneeschuhtrails, den Gasser mitentwickelt hat und weiterhin pflegt.

Stolz erzählt er, dass seine Route sogar auf SchweizMobil aufgeführt ist. Der Unterhalt ist jedoch aufwendig: Im Frühling müssen Markierungen und Wegweiser wieder entfernt werden. «Ich mache diese Arbeit gerne und finde immer Leute, die mich dabei unterstützen», sagt Gasser und schultert einen Holzpfosten mit Lawinengefahrtafel.